
Brand des Eisenwaren-Lagergebäudes „Frickart" in Zofingen
| 1. Brandobjekt | ||
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Das
im Jahre 1931 erstellte Lagergebäude dieser
Eisenwarenhandlung besteht aus drei Teilen, dem als
Rundbau ausgebauten Wohn- und Bureaugebäude mit
einer Grundfläche von 20
x 25 m, dem eigentlichen,
im beschriebenen Fall aus-
gebrannten Lagerbau mit 25
x 144 m und einem
kleinern Garageanbau von 8x6,4 m Bodenfläche.
Das Wohn- und Bureaugebäude besteht
aus Backsteinmauerwerk, das Lager-
haus und der
Garageanbau sind in Eisenfachwerk erstellt und
ausgemauert. Das Lagerhaus ist ein Hallenbau
mit nur einem bis zum Dachbeginn reichenden
Zwischenabschluss im ersten Feld. Es wies eine
Höhe von oberkant Boden bis First von 10 m auf.
Der Boden bestand zu vier Fünfteln aus
T-Balkenlage mit Bohlenbrettern und zu einem
Fünftel gegen das Geschäftshaus zu aus Beton.
Die Seitenwände waren auf 4 m Höhe mit
Kalksandsteinen ausgemauert, darüber zog sich
auf beiden Längsseiten eine Fensterverglasung
von 2,1 m Höhe. Der Bau war abgedeckt
beidseitig mit Holzschalung, Durotekt und
Macadambelag und einem kittlosen Oblicht aus
Drahtglas als Spitzdach in der Mitte. Das Dach
ruhte auf 17 Bindern in Eisenkonstruktion. Auf
der Nordseite war ein Betonkanal für die
automatische Bahnanlage, auf der Südseite eine
Betonrampe vorgebaut. Mit dem Geschäftshaus
stand der Lagerbau im Parterre durch zwei Türen
in Verbindung, im Keller durch den Kanal der
Bahn. Gegen die Garage bestand eine
öffnungslose Brandmauer. Die Eisenwaren waren
in offenen Holzgestellen und zum kleinen Teil
in Betongruben gelagert. An Löscheinrichtungen
wurden beim Bau des Gebäudes auf Verlangen der
Gebäudeversicherungsanstalt drei
Aussenhydranten erstellt, welche an eine 125 mm
Leitung angeschlossen sind. Diese Leitung steht
in Verbindung mit zwei Ringleitungen von je 100
mm Lichtweite. Zur Bedienung der Hydranten war
das erforderliche Schlauchmaterial leicht
zugänglich ausserhalb des Gebäudes placiert.
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2. Brandausbruch und
Brandursache
Das Schadenfeuer vom 20. Mai
1936 brach in der Abteilung 2 wo das Oel-, Fett-
und Farbenlager sich befand aus und fand gute
Nahrung in den zahl-
reichen offenen
Holzgestellen.
Der Brandausbruch
wurde um zirka 22.50 Uhr von verschiedenen Nachbarn
bemerkt. Der Loko- motivführer des 22.52 Uhr Zuges
gab beim Vorbeifahren am Brandobjekt Signale ab,
welche in der Hauptsache den Alarm auslösten. Der
Brandausbruch muss längere Zeit vorher
stattgefunden haben, sonst hätte sich das Feuer
nicht auf das gesamte Lagerhaus ausdehnen können. |
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| 3. Tätigkeit der Feuerwehr | ||
| a) Alarm und Aufmarsch | ||
| Die Feuerwehr wurde alarmiert um 22.55 Uhr. Um 23.02 Uhr traf die Autospritze mit einem Teil der Pikettmannschaft ein. Bereits um 22.53 hat ein Feuerwehroffizier mit dem Schlauchmaterial aus einem Schlauchdepot eine erste Leitung zum Schutze des Etablissementes einer Färberei, das schon stark gefährdet war, erstellt. Der Aufmarsch der Feuerwehr dauerte bis 23.10 Uhr. Es traten in den Dienst das Pikett und die drei Löschzüge mit total 98 Mann, 1 Autospritze, 4 Hydrantenwagen und 1 mech. Leiter | ||
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b) Löschangriff. Um
22.53 Uhr wurde der Löschangriff eingeleitet
durch zwei Leitungen, die, wie schon erwähnt, zum
Schütze der gefährdeten Liegenschaft der Färberei
verwendet wurden.
Die Feuerwehr selber
trat um 23.02 Uhr in Funktion und erstellte
zwei Leitungen durch das Bureaugebäude zum
Schutze vor dem Übergreifen des Feuers vom
Lagerhaus auf dieses Gebäude. Nachher wurden
zwei Rohrführ-
erstellungen auf dem Flachdach des angebauten
Garagegebäudes bezogen, um hier ein Übergreifen
des Feuers zu verhindern. Nach diesen
Abriegelungen wurde mit weitern zwölf Leitungen
das Feuer, das sich bei der Ankunft der
Feuerwehr auf das ganze
Lagerhaus ausgedehnt und
bereits das Dach durchbrochen hatte.
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Der
Löschangriff ist taktisch richtig angesetzt worden,
zuerst Schutz der vom Feuer noch nicht ergriffenen
Gebäudeteile (Bureaugebäude und Garageanbau) und
der gefährdeten Nachbargebäude, nachher Bekämpfung
des brennenden Lagerhauses. Acht Leitungen wurden
von der Autospritze mit einem Druck am Rohr von 1-2
Atm. gespiesen, während acht Leitungen an die
Hydranten angebekämpft. Die Stosskraft des Feuers
war nach zirka zweistündiger Arbeit gebrochen. Das
Ablöschen der Glutmassen erforderte aber noch viel
Arbeit. Um 5 Uhr morgens konnte Rückzug gemacht und
das weitere Ablöschen der noch vorhandenen
Brandnester einer besonders organisierten
Brandwache über tragen
werden.
Der Löschangriff ist taktisch richtig angesetzt
worden, zuerst Schutz der vom Feuer noch nicht
ergriffenen Gebäudeteile (Bureaugebäude und
Garageanbau) und der gefährdeten Nachbargebäude,
nachher Bekämpfung des brennenden Lagerhauses. |
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| 4. Lehren aus dem Brandfall | ||
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a) In
feuerwehrtechnischer Hinsicht. Dem Alarmwesen ist
große Aufmerksamkeit zu schenken. Bei Orten mit
automatischer Telefon-Zentrale ist darauf zu
halten, dass die Feuerwehr unter der üblichen Nr.
18 alarmiert werden kann. Das Einstellen einer
fünfstelligen Telefonnummer, wie das hier der Fall
war, führt zu Schwierigkeiten und falschen
Verbindungen, was Verzögerungen im Alarm der
Feuerwehr hervorruft. Die Leistungsfähigkeit der
Hydrantenanlage muss den leitenden Feuerwehr-
offizieren bekannt sein. Überanstrengungen
der Hydrantenanlagen sollten nicht mehr vorkommen,
weil damit eine erhebliche Druckverminderung in den
Strahlrohren eintritt und die Löschwirkung der
Strahlen beeinträchtigt wird. Die Arbeitsleistung
eines Wasserstrahls ist ungefähr Druck im Quadrat
mal halbe Wassermenge. b) In bau- und
feuerpolizeilicher Hinsicht. Der Brandfall hat die
altbekannte Tatsache, dass Eisen dem Feuer weniger
Stand hält als Holz, neuerdings bestätigt. Die
Hitze hat zuerst die miteinander verbundenen
Eisenkonstruk- tionen
ausgedehnt, wodurch die Fundamente und das
Mauerwerk zerrissen wurden. Nachher hat das Eisen
mit zunehmender Hitze die Tragfähigkeit vollständig
verloren. Die Eisenkonstruktionen, die
hauptsächlich längs der Mittelachse des Baues
gelitten haben, sind in sich zusammengestürzt und
haben die bereits gesprengten Fundamente samt dem
Mauerwerk nach innen gerissen. Der Brandschaden
wäre weit geringer ausgefallen, wenn nicht gerade
die im Feuer so unbeständigen
Eisenkonstruktionen alles zerstört hätten. Die 30
NP Differdingerbalken des Bodens sind 15-25 cm weit
durch die dicken Betonfundamente hindurch gestossen
worden. Nicht bewährt hat sich auch das
vollständig geschlossene, aus Holzschalung,
Durotekt und Macadambelag, oben aus Drahtglas
bestehende Dach. Es brauchte sehr lange, bis dieses
kompakte Dach vom Feuer durchbrochen werden konnte.
Die vom Feuer entstandene Hitze staute sich unter
dem Dach, brachte alle brennbaren Gegenstände in
der großen Lagerhalle sehr rasch auf die
Entzündungstemperatur, woraus sich erklärt, dass
das ganze Lager in Brand war, als das Feuer zum
Dach hinauskam und von der Nachbarschaft bemerkt
wurde. Ein Ziegeldach wäre über dem Brandherd in
kurzer Zeit durchbrochen worden. Die Hitze hätte
hier entweichen können und der Brandausbruch wäre
kurz nach dem Entstehen beobachtet worden. Wohl mag
die Nachbarschaft einen Lichtschein vom Oblicht
wahrgenommen haben. Da aber bei der künstlichen
Beleuchtung ungefähr die gleiche Lichterscheinung
im Oberlicht eintritt, hat sich die Nachbarschaft
an diese Erscheinung gewöhnt, weshalb der
Brandausbruch erst im Momente wahrgenommen wurde,
als das Feuer das Dach durchbrochen hatte. Auf Grund dieser
Erfahrungen muss in Zukunft darauf gehalten werden,
dass bei Skelett- und andern Eisenbauten die
tragenden Eisenkonstruk tionen ummantelt werden,
damit sie im Feuer die Tragkraft beibehalten. Die
Verwendung von feuerhemmend verkleideten
Holzkonstruktionen, welche sich im Feuer besser
halten, ist anzustreben.
Ebenso notwendig ist die Unterteilung so
großer Hallenbauten durch vollstän-
dige, feuersichere Abschlüsse; sofern
dies aus betriebstechnischen Gründen nicht
möglich ist, müssen an den Decken die gut
wirkenden Feuerschürzen angebracht werden.
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Ed. Merkli |
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| Situation | ||
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