Es wurde sehr professionell gearbeitet
  KURT BLUM
  Strengelbach
Einsatzberichte geben über den Rettungsablauf am Hügimattweg detailliert Auskunft

Der Deckeneinsturz bei einem Mehrfamilienhaus-Neubau am Hügimattweg in Strengelbach vom letzten Donnerstagmorgen bewegt ungebrochen. In umfassenden Einsatzberichten erläutern die Stützpunktfeuerwehr Zofingen (Kommandant Major Peter Ruch sowie Vizekommandant Hauptmann Bruno Giger) und der Leiter des Rettungsdienstes Zofingen (Spital Zofingen), Hansruedi Kaderli, ihre Arbeit und ihre Lehren daraus.
Es sind eindrückliche Dokumentationen, welche Major Peter Ruch (Gesamteinsatzleiter), Hauptmann Bruno Giger (Einsatzleiter Front) und Hansruedi Kaderli (Einsatzleiter Rettung) erstellt haben und lassen auch Aussenstehende erahnen, mit welchen zum Teil aussergewöhnlichen und schwerwiegenden Problemen die Rettungskräfte nullkommaplötzlich konfrontiert worden waren. Innert Kürze musste das Richtige angeordnet werden – da konnte nicht zuerst in einem Lehrbuch nachgeblättert oder irgendwo nachgefragt werden ...
Wie viele Leute sind betroffen?
Bei seinem Eintreffen auf der Unfallstelle habe er unverzüglich die ersten Sofortmassnahmen eingeleitet, schreibt Peter Ruch und weist unter anderem auf folgende Probleme hin: Anzahl der vermissten und/oder verschütteten Bauarbeiter unsicher – zwischen zwei und sechs Personen; Lage der verschütteten Leute ist schwer auszumachen, aber auch die Zugänglichkeit ist diffizil und der Einsatz schwerer technischer Mittel unmöglich; der sehr grosse Einsatzwille der anwesenden Bauarbeiterkollegen ist nicht einfach zu kanalisieren; ferner sind Gaffer fernzuhalten, gleichzeitig aber das überaus grosse Medieninteresse in eine sachgerechte Bahn zu lenken.
Major Ruch: «Die grösste Belastung war die Unsicherheit über die Anzahl und den Standort der vermissten und/oder verschütteten Arbeiter, die unstabile Schadenlage aus Spriessen, Schalungselementen, Armierungseisen und Frischbeton und die anfängliche Hilflosigkeit, trotz sehr guter Ausrüstung und motiviert ausgebildeter Einsatzkräfte möglichst schnell die Rettungen unter Einhaltung der eigenen Sicherheit ausführen zu können.
Am Einsatzort angekommen, übernahm Oberleutnant Bruno Roth unverzüglich die Funktion als Technischer Einsatzleiter (Bergung) und Hauptmann Bruno Giger diejenige als Abschnittsoffizier Front. Der Boden sei kaum begehbar gewesen, man sei bei jedem Schritt knietief im Flüssigbeton eingesunken, hält Giger fest. Diverse geschockte Bauarbeiter versuchten, mit Schaufeln den Flüssigbeton in eine Mulde zu schaufeln, obwohl ihnen bewusst war, dass vermutlich jede Hilfe für die Verschütteten zu spät kommen wird. Dazu kam, dass der Flüssigbeton immer noch floss. 
Aufgrund der erhaltenen Informationen wurde entschieden, an einem bestimmten Ort von Hand zu graben. Die involvierten Bauarbeiter wurden dabei auf ihren psychischen Zustand hin laufend beobachtet. Hauptmann Giger: «Aufgrund der Situation hatten wir uns entschlossen, die Bauarbeiter nicht vom Schadenplatz zu entfernen. Vermutlich hätten sich diese auch geweigert, den Platz zu verlassen. Jedem war jedoch bewusst, dass die Kameraden vermutlich nicht mehr lebend geborgen werden können. Jeder wollte aber die Arbeit zu Ende führen, bis die Kollegen geborgen waren.» – Als man die beiden Verschütteten gefunden hatte, begann bei den Bauarbeitern die Phase der Hilflosigkeit und der Trauer. Jetzt war es sehr wichtig, dass jeder vom Care-Team betreut wurde: «Die betroffenen Bauarbeiter nicht wegzuschicken, sondern helfen zu lassen, war ein richtiger Entscheid. Jeder konnte so mithelfen, seine Kameraden zu bergen und den Rettungskräften mit Tipps bei der Bergung helfen.»

Breites Aufgebot
Auf der Unfallstelle waren zugegen:      
Feuerwehr Strengelbach: Kommando- und Verkehrsgruppe, 27 Leute und 3 Fahrzeuge; Stützpunktfeuerwehr Zofingen: Pioniergruppe 1, 23 Leute und 6 Fahrzeuge; Berufsfeuerwehr Bern: Höhen- und Tiefenrettung, 5 Leute sowie 2 Fahrzeuge und 1 Rega-Helikopter; Armee Bremgarten AG: Rettungsspezilisten, 2 Leute; Rettungsdienste: Spital Zofingen, 2 Teams und 2 Ambulanzen, Kantonsspital Aarau, 3 Teams und 3 Ambulanzen; Samariterverein Strengelbach: Alarmgruppe, 10 Leute.
Ferner: Care-Team Aargau; Kantonspolizei Zofingen / Aargau; Regionalpolizei Zofingen; Bezirksamt Zofingen; Gemeinderat Strengelbach; Bauunternehmung Gebrüder Hallwyler AG, Rothrist, sowie Medien (Zeitungen, Radio und Fernsehen). KBZ
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