Rohbau eingestürzt: 2 Arbeiter tot

 STRENGELBACH AG – Plötzlich krachte die Decke ein und begrub sie unter sich:
Bei einem Baustellenunfall im Aargau sind zwei Arbeiter ums Leben gekommen.
 

Strengelbach: Mehrere Verschüttete konnten sich selbst retten,
zwei Arbeiter wurden heute Morgen noch vermisst. (Markus Heinzer)

Zwei Bauarbeiter sind heute Morgen während Betonierungsarbeiten im Neubau eines Mehrfamilienhauses in Strengelbach im Kanton Aargau ums Leben gekommen. Bei den Getöteten handelt es sich um einen 36-jährigen Schweizer und um einen 31-jährigen Portugiesen, wie Bernhard Graser, Sprecher der Aargauer Kantonspolizei, sagte. Zwei weitere Bauarbeiter wurden leicht verletzt, konnten sich aber selber befreien.
Bei Betonierarbeiten stürzten heute Morgen um 10 Uhr die Kellerdecke, Armierungseisen und Flüssigbeton ein.
Die Arbeiter waren mit dem Betonieren des Deckels über dem Kellergeschoss beschäftigt. Bis zur Unfallzeit waren rund 70 Kubikmeter Beton eingebracht worden.
Die Bergungsarbeiten waren schwierig, weil der Beton noch flüssig war. Zudem sei die zum Betonieren benötigte Verschalung zusammengebrochen. Insgesamt standen gegen 70 Rettungskräfte im Einsatz. Zudem wurde von der Rega ein Bergungsfachmann der Berufsfeuerwehr Bern eingeflogen. Die Baubelegschaft und die Angehörigen der Arbeiter wurden von mehreren Care-Teams psychologisch betreut. Am Nachmittag wurde versucht, den noch flüssigen Beton so weit wie möglich abzusaugen (AP/bih) Helene L.* (65) trinkt in ihrer Wohnung gerade Tee. «Plötzlich gab es einen lauten Knall. Dann war es ganz ruhig.» Die Rentnerin wohnt gleich bei der Baustelle, wo vier Mehrfamilienhäuser entstehen – die «Überbauung Hügimatt». Helene L. geht raus: «Ich sah sofort, was da passiert war.» Die Decke der Tiefgarage, die gerade betoniert wurde – eingestürzt!
Polizeisprecher Bernhard Graser (35): «Die Schalungskonstruktion hat plötzlich nachgegeben.» 10 Uhr. Bei der Polizei geht der Alarm ein. Grossaufgebot! Denn: 18 Arbeiter waren auf der Baustelle. Die Männer auf dem Garagendach können sich eben noch an den Armierungseisen festhalten – und sich vor dem Sturz retten. Aber es befinden sich noch vier Mann unter der Schalung. Zwei retten sich mit viel Glück, sie sind nur leicht verletzt. Die anderen beiden werden lebendig begraben – im flüssigen Beton. Verzweifelt versuchen ihre Kollegen sie freizugraben. Mit blossen Händen. Kapo-Sprecher Graser: «Sie lagen unter einer Last von total 150 Tonnen.» Mehrere Feuerwehren sind schnell da. Jeder der über 60 Helfer weiss: Es geht um Leben und Tod. «Anfangs haben sogar meine Leute mit blossen Händen nach den Vermissten gegraben», sagt der Zofinger Feuerwehrkommandant Peter Ruch (52). Aber wo sind sie? Die Rega fliegt zwei Armee-Bergungsfachleute und zwei Spezialisten der  Berufsfeuerwehr Bern ein. Sie haben eine kleine Sonden-Kamera dabei. Da! Sie orten einen der Vermissten. 11 Uhr. Mit schwerem Gerät wird der Bauarbeiter geborgen – tot. Kurz nach 12 Uhr. Die Retter finden den zweiten Mann. Auch er starb im Flüssigbeton. Eines der Opfer ist der Schweizer Stefan L.* (36). «Unsere Trauer ist nicht in Worte zu fassen», sagt sein Chef Roland Hallwyler (53) von der Baufirma «Gebr. Hallwyler AG» in Rothrist AG. «Er arbeitete seit fünf Jahren bei uns, immer fleissig und zuverlässig.» Stefan L. wohnte in Rothrist, hinterlässt eine Partnerin mit zwei Kindern. Das zweite Opfer ist der Portugiese Venceslau L.* (31) von einer Auftragsfirma. Ein Kollege: «Wir sind sprachlos über seinen tragischen Tod.» Die Polizei ermittelt, warum die Decke beim Betonieren zusammenkrachte. Bauingenieur Hallwyler kann es sich nicht erklären: «Wir machen solche Arbeiten seit Jahrzehnten. Und es ist nie etwas passiert.»

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